(Motorsport-Total.com) – Das Ducati-Werksteam hat sich an den ersten beiden Tagen des Wintertests in Sepang (Malaysia) mit Topzeiten zurückgehalten.
Der Fokus liegt auf der Evaluierung neuer Entwicklungen, speziell beim Motor und bei der Aerodynamik. Die Arbeit innerhalb der Box lief zwischen Francesco Bagnaia und Marc Marquez bisher harmonisch ab.
Bagnaia ist die Referenz, da Marquez die GP24 übersprungen hat und das Vorgängermodell nicht im Detail kennt. So fuhr der Spanier zum Beispiel bei einem Motorrad mit der Aerodynamik des Vorjahres und beim anderen mit der neuen Weiterentwicklung.
„Das ist für mich am schwierigsten, denn beide Motorräder sind für mich neu“, hält Marquez fest. „Deshalb muss ich konzentriert und präzise sein. Die Aerodynamik ändert alles – die Bremspunkte, die Kurvenmitte. Momentan sind meine Aussagen sehr ähnlich zu Peccos.“
Eine Einschätzung, die Bagnaia ebenfalls betont. „Ehrlich gesagt, es ist unglaublich“, staunt der Italiener und lobt: „Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich exakt das gleiche Gefühl wie mein Teamkollege. Das ist großartig, weil es den Ingenieuren sehr hilft.“
„Wir haben beide ein sehr gutes Gefühl mit dem neuen Motor, aber wir haben auch beide die gleichen Fragen.“ Denn bei den drei europäischen Marken wird die Motorspezifikation zu Saisonbeginn eingefroren.
Mit dieser Spezifikation wird dann auch die Saison 2026 bestritten werden. Da zwei Jahre mit dem gleichen Triebwerk gefahren wird, ist diese Entscheidung so wichtig. Es gibt diesen „Engine Freeze“, um Kosten für die Neuentwicklung des 850er-Motors für 2027 zu sparen.
Entscheidung beim Motor 50:50
Laut Bagnaia steht es momentan 50:50, ob man den Motor der GP24 nimmt, oder die Weiterentwicklung. Er erklärt: „Die Lücke zwischen dem alten und dem neuen Motorrad wird kleiner. Der neue Motor sieht bei der Performance schon sehr gut aus.“
Aber es fehlt noch etwas in der Bremsphase. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Die GP24 war unglaublich. Die Basis ist also fantastisch. Wir müssen uns bei der Performance des neuen Motors sicher sein, dass sie besser ist. Danach sieht es auch aus.“
„Der GP25-Motor ist schon sehr schnell und gut bei der Beschleunigung und auf der Geraden. Man kann die Beschleunigung sehr gut mit dem Gas kontrollieren. Aber in der Bremsphase war der GP24-Motor unglaublich gut.“
„Das ist momentan mit dem GP25-Motor schwierig zu reproduzieren, auch wenn wir die Lücke etwas geschlossen haben“, nennt Bagnaia die Knackpunkte. Denn man kann in der Bremsphase mehr Zeit gewinnen als bei der Beschleunigung.
Ducati muss noch die grundsätzliche Entscheidung bezüglich Motor und Aerodynamik-Konfiguration treffen. Laut Teammanager Davide Tardozzi wird das beim Test in Thailand in der kommenden Woche passieren.
Aktuell sammeln Bagnaia und Marquez in erster Linie Daten für die Ingenieure. Wie viel Spaß macht es Marquez, nach einem Jahr in einem Satellitenteam wieder in so einen Prozess eingebunden zu sein?
„Ja, aber es ist schwierig. Man fährt sehr viel und arbeitet nur für die Ingenieure. An den Test in Thailand werden wir anders herangehen, weil wir das Rennen vorbereiten müssen.“ Deshalb ist der Austausch mit seiner neuen Crew auch noch nicht so eng.
Ducati deckt die Karten noch nicht auf
Rundenzeiten stehen für Ducati momentan nicht im Vordergrund. Marquez stürzte Donnerstagnachmittag in seinem Qualifying-Versuch in Kurve 9. „Aber wir haben die Arbeit laut unserem Plan erledigen können“, wischt er diesen Ausrutscher beiseite.
Bagnaia ist bereits am Vormittag in der Zielkurve gestürzt. Nach einer Pause von eineinhalb Stunden konnte er das Programm wieder fortsetzen. „Nach meinem Sturz am Vormittag haben wir die Zeit genutzt, um größere Änderungen beim Motorrad vorzunehmen.“
„Ich musste eineinhalb Stunden warten, aber die Änderungen haben dann sehr gut funktioniert“, lobt der Italiener die Arbeit der Mechaniker. „Am Ende des Tages bin ich mit der neuen Verkleidung und anderen neuen Teilen gefahren. Es war nicht so schlecht.“
Bisher hat Ducati die Karten nicht aufgedeckt und noch nicht die wahre Performance gezeigt. Als Yamaha-Fahrer Fabio Quartararo gefragt wurde, ob am finalen Testtag Zeiten von 1:56 Minuten möglich wären, deutete er auf die roten Motorräder.
Als Bagnaia davon hört, lacht er: „Ich glaube, es wären auch heute schon 1:56 im Qualifying-Versuch möglich gewesen. Aber darum geht es uns nicht. Wir wissen, dass wir sehr schnell sind und müssen das bei einem Test nicht zeigen. Es ist wichtiger, den Job zu erledigen.“
Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Oriol Puigdemont
Quelle, Infos, Hintergrundberichte: www.motorsport-total.com/
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