(Motorsport-Total.com) – MotoGP-Weltmeister Jorge Martin ist überraschend zum Grand Prix nach Austin in die Vereinigten Staaten von Amerika gereist.
Erstmals seit seinem Sturz am ersten Wintertesttag in Malaysia war der Spanier wieder im Fahrerlager vor Ort. Die verletzungsbedingte Pause dauerte bisher fast zwei Monate.
Ich wollte etwas Zeit mit dem Team verbringen“, nennt Martin den Hauptgrund für seine Reise in die USA. „Deshalb bin ich gekommen – zumindest um zu lernen, wie sie arbeiten, damit nicht alles neu für mich sein wird, wenn ich zurückkomme.“
Denn im Prinzip hat er erst eineinhalb Tage mit seinem neuen Aprilia-Team an der Rennstrecke verbracht. Als Besucher kann Martin die Kommunikation, die Arbeit und die Abläufe im Detail aus nächster Nähe beobachten sowie Gespräche mit den Ingenieuren führen.
„Das ist das Hauptziel meiner Anwesenheit hier“, sagt er deshalb. „Denn es fühlt sich zumindest so an, als wäre ich wieder da. Das bedeutet für mich, als wäre ich bereits wieder im Wettkampfmodus, auch wenn ich noch nicht auf der Strecke fahre.“
Die vergangenen Wochen waren für den 27-Jährigen schwierig, vor allem die zweite Verletzung unmittelbar vor dem Abflug zum Saisonauftakt in Thailand war ein herber Rückschlag. Beim Supermoto-Training hatte Martin einen heftigen Highsider.
Er gibt auch bei seinem Besuch in Austin offen zu: „Ich befinde mich momentan nicht in bester körperlicher Verfassung. Ich bin derzeit definitiv nicht bei 100 Prozent. Aber ja, ich erhole mich gut, sogar schneller als von den Ärzten vorhergesagt – das ist sehr positiv.“
Der Supermoto-Sturz war „wirklich heftig“
„Dieser Sturz war wirklich heftig“, blickt er auf den Supermoto-Crash und nennt Details: „Ich hatte Angst, denn meine Hand fühlte sich so schlimm an wie nie zuvor. Normalerweise beginnt man nach einer Operation, die Hand ein wenig zu bewegen oder zumindest etwas zu spüren.“
„Aber bei mir war das nicht der Fall. Zwei Wochen lang konnte ich meine linke Hand überhaupt nicht bewegen. Das war mental sehr belastend. Ich hatte Angst, vielleicht nie wieder fahren zu können oder etwas in der Art, weil die Situation wirklich ernst war.“
„Aber danach, nach zwei oder drei Wochen, begann ich, Licht am Ende des Tunnels zu sehen, und ich weiß, dass es langfristig kein Problem sein wird. Aktuell befinde ich mich noch nicht in körperlicher Bestform. Also sehen wir, wie es ist, wenn ich wieder fahren kann.“
„Ich habe immer noch große Schwierigkeiten – nicht beim Bewegen, das geht – aber ich kann noch kein Gewicht mit der Hand heben. Es war nicht nur das Kahnbein, sondern auch der Radiuskopf, der in drei Teile gebrochen war.“
„Ich weiß nicht, ob es das Kahnbein oder der Radius war – aber beide sind entscheidend, um die Hand zu belasten. Ich denke, das war eine der schlimmsten Verletzungen, die ein Fahrer erleiden kann, wenn beide Knochen betroffen sind.“
„Aber ja, die Heilung verläuft gut. Ich spüre Fortschritte, denn normalerweise kann das ein größeres Problem sein. Deshalb bin ich zufrieden damit, wie der Heilungsprozess verläuft. Dass ich hier bin, zeigt, dass mein Comeback immer näher rückt.“
Martin erkennt das Potenzial der Aprilia RS-GP
Die ersten beiden Rennwochenenden verfolgte Martin von seinem Haus in Andorra aus auf der Couch vor dem Fernseher. Speziell in Thailand überraschte Aprilia-Rookie Ai Ogura mit Platz vier im Sprint und Rang fünf im Grand Prix.
Zuletzt in Argentinien wurde Marco Bezzecchi im Sprint Sechster. Im Grand Prix machte er nach dem Start beim Anbremsen der ersten Kurve einen Fehler und stürzte. Ogura wurde als Achter disqualifiziert, weil bei seiner Elektronik eine falsche Firmware-Version installiert war.
Wie bewertet Martin die bisherige Performance der Aprilia RS-GP? „Es scheint, als hätte das Bike deutlich mehr Potenzial als in der vergangenen Saison. Vielleicht hatten sie in Argentinien einfach nicht das nötige Glück.“
„Ai hat in Thailand beeindruckt. Ich hoffe, dass ich meine Erfahrung einbringen und das Projekt damit stark unterstützen kann. Man muss aber realistisch bleiben: Ich komme von einer Verletzung und habe viele Kilometer weniger auf dem Buckel.“
„Und dann mit einem völlig neuen Motorrad für mich, denn ich bin nur zehn Runden in Sepang gefahren. Ich muss realistisch bleiben und mich auf mich selbst konzentrieren“, betont Martin, dass man nicht zu hohe Erwartungen an ihn stellen darf.
Comeback Mitte April nicht unwahrscheinlich
Derzeit wird als Comeback das vierte Saisonwochenende Mitte April angepeilt. Dann wird auf dem Lusail-Circuit in Katar gefahren. „Aber ich werde bis dahin kein Motorrad fahren, weil ich nicht möchte, dass sich das Ganze wiederholt“, sagt der Weltmeister klar.
„Man müsste sich nur vorstellen, ich würde nächste Woche trainieren und breche mir – ich weiß nicht – den Kopf oder das Genick. Also werde ich auf Katar warten. Vielleicht kann ich dort fahren – vielleicht aber auch nicht.“
„Ich weiß also nicht, in welchem Zustand ich sein werde, aber eines ist sicher: Ich werde nicht bei hundert Prozent sein, aber ich werde es vielleicht versuchen.“ Bis zu seinem Comeback wird Martin von Aprilia-Testfahrer Lorenzo Savadori vertreten.
Einen privaten Test mit einem MotoGP-Bike darf Martin vor seinem Comeback nicht durchführen. Ein entsprechender Antrag von Aprilia in der Herstellervereinigung MSMA wurde abgelehnt.
Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Oriol Puigdemont
Quelle, Infos, Hintergrundberichte: www.motorsport-total.com/
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